Glossar
Die Konzepte hinter BE THE CORE.
Entscheidung und Fokus
Entscheidungsmatrix (vier Felder)
Ein Raster, das Aufgaben nach zwei Achsen sortiert, um zu entscheiden, was du behältst, umbaust oder streichst. In der BE-THE-CORE-Variante: Wirkung auf die Transformation und Erhalt deiner Kapazität. Herkunft: Stephen Covey, „Die 7 Wege zur Effektivität“, Gewohnheit 3 „Put First Things First“. Nicht aus dem Positive-Intelligence-Programm, das die Matrix nur anwendet.
Quelle: https://www.franklincovey.com/courses/the-7-habits/
Im Blog behandelt in: „Jedes Ja ist ein Nein, das du nicht ausgesprochen hast“
OKR (Objectives and Key Results)
Ein Steuerungsinstrument, das ein qualitatives Ziel mit wenigen messbaren Ergebnissen verbindet. Hält selbstorganisierte Teams ohne Projektplan auf ein Ergebnis ausgerichtet. Herkunft: Andy Grove (Intel), popularisiert durch John Doerr.
Quelle: https://www.whatmatters.com/faqs/okr-meaning-definition-example
Im Blog behandelt in: „Jedes Ja ist ein Nein, das du nicht ausgesprochen hast“
Story Canvas
Eine Leinwand, die eine Geschichte in feste Beats gliedert (Situation, Wollen, Aber, Aktion, Ergebnis, Erkenntnis), damit sie Klarheit und Emotion transportiert. Herkunft: David Hutchens (deutsche Übersetzung mit Bastian Eggers).
Quelle: https://www.storytellingleader.com
Wahrnehmung und Denkfehler
Verfügbarkeitsheuristik
Wir gewichten, was uns leicht in den Sinn kommt. Das grelle, nahe Problem schlägt das stille, ferne, obwohl das ferne größer sein kann. Herkunft: Amos Tversky und Daniel Kahneman, 1973.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Verf%C3%BCgbarkeitsheuristik
Im Blog behandelt in: „Warum die Kulturarbeit jeden Budgetkampf verliert“
Fokus-Illusion
Was du gerade betrachtest, erscheint dir wichtiger, als es ist. Verstärkt, dass das akute Problem alle Aufmerksamkeit bindet. Herkunft: Daniel Kahneman (mit David Schkade).
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fokussierungseffekt
Gegenwartsverzerrung (Present Bias)
Wir bevorzugen den unmittelbaren Vorteil und diskontieren künftige Kosten, selbst wenn wir sie kennen. Herkunft: Verhaltensökonomie (Ainslie; Laibson; O’Donoghue und Rabin). Nicht von Kahneman, wichtig für saubere Zuschreibung.
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Present_bias
Im Blog behandelt in: „Warum die Kulturarbeit jeden Budgetkampf verliert“
Mythos „70 Prozent aller Transformationen scheitern“
Eine überall zitierte, schlecht belegte Zahl. Sie geht auf zwei Managementbücher der Neunziger zurück und wird seither ungeprüft weitergereicht. Herkunft: zurückführbar auf Hammer und Champy (1993) und Kotter (1996), ohne belastbare Datengrundlage.
Quelle: https://hbr.org/2013/01/change-management-needs-to-cha
Im Blog behandelt in: „Warum die Kulturarbeit jeden Budgetkampf verliert“
Zusammenarbeit und Kontext
Kontext-Amnesie
Beteiligte in einem Team vergessen, was die anderen schon wissen und tun. Es entstehen Doppelarbeit, Widerspruch und Verzug. Herkunft: geprägt von Ilyas Ibrahim Mohamed für die Koordination von KI-Agenten.
Quelle: https://medium.com/@ilyas.ibrahim/how-i-made-claude-code-agents-coordinate-100-and-solved-context-amnesia-5938890ea825
Im Blog behandelt in: „Warum mehr KI dein Team langsamer macht“
Transaktives Gedächtnis (Transactive Memory System)
Ein Team leistet mehr, wenn es weiß, wer was weiß, statt dass jeder alles wissen muss. Das geteilte „Wer kann was“ ist der Vorteil. Herkunft: Daniel Wegner (1987); Messung validiert von Kyle Lewis (2003, 2004).
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Transaktives_Ged%C3%A4chtnis
Im Blog behandelt in: „Warum mehr KI dein Team langsamer macht“
Mensch-KI-Team-Effekt
Mensch-KI-Kombinationen schneiden im Schnitt schlechter ab als das Bessere von Mensch oder KI allein, besonders bei Entscheidungen. Erst der richtige Prozess macht sie stark. Herkunft: Vaccaro, Almaatouq und Malone, Metaanalyse über 106 Studien, Nature Human Behaviour, 2024.
Quelle: https://www.nature.com/articles/s41562-024-02024-1
Im Blog behandelt in: „Warum mehr KI dein Team langsamer macht“
Informationsüberlastung (umgekehrte U-Kurve)
Mehr Information verbessert Entscheidungen bis zu einem Punkt, danach verschlechtert Überlastung sie wieder. Herkunft: Jacoby (1974); Überblick von Eppler und Mengis (2004).
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Informationsüberflutung
Im Blog behandelt in: „Warum mehr KI dein Team langsamer macht“
Selbstorganisation und Natur
Selbstorganisation
Ordnung entsteht ohne zentrale Steuerung, allein aus einfachen lokalen Regeln, denen jeder Beteiligte folgt. Herkunft: Camazine, Deneubourg, Franks, Sneyd, Theraulaz, Bonabeau, „Self-Organization in Biological Systems“.
Quelle: https://press.princeton.edu/books/paperback/9780691116242/self-organization-in-biological-systems
Im Blog behandelt in: „Nimm die Regeln weg, und der Lauteste übernimmt“
Stigmergie
Koordination über die Umwelt statt über direkte Anweisung. Ameisen folgen Pheromonspuren, nicht Befehlen. Herkunft: Begriff von Pierre-Paul Grassé; Ameisenforschung u.a. von Deborah Gordon (Stanford).
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stigmergie
Im Blog behandelt in: „Nimm die Regeln weg, und der Lauteste übernimmt“
Holakratie und Governance-Meeting
Ein Betriebsmodell, das Führung über feste Regeln und Rollen verteilt. Das Governance-Meeting ist das Format, in dem Rollen und Regeln entstehen. Herkunft: Brian Robertson.
Quelle: https://www.holacracy.org
Im Blog behandelt in: „Nimm die Regeln weg, und der Lauteste übernimmt“
Teal / Reinventing Organizations
Ein Reifegradmodell für Organisationen, dessen höchste Stufe („Teal“) auf Selbstführung und Sinn setzt. Herkunft: Frédéric Laloux.
Quelle: https://www.reinventingorganizations.com
Im Blog behandelt in: „Nimm die Regeln weg, und der Lauteste übernimmt“
Selbstbestimmungstheorie (SDT)
Menschen sind nachhaltig motiviert, wenn drei Bedürfnisse erfüllt sind: Autonomie, Kompetenz, Verbundenheit. Autonomie braucht dabei Struktur, keine Regellosigkeit. Herkunft: Edward Deci und Richard Ryan.
Quelle: https://selfdeterminationtheory.org
Organisationsstruktur
Conways Gesetz
Eine Organisation bringt Ergebnisse hervor, deren Struktur ihrer eigenen Kommunikationsstruktur gleicht. Getrennte Teams erzeugen getrennte Ergebnisse. Herkunft: Melvin Conway, „How Do Committees Invent?“ (1968); benannt von Fred Brooks (1975). Conway meinte „System“ ausdrücklich breiter als Software.
Quelle: https://www.melconway.com/Home/Committees_Paper.html
Team Topologies und inverser Conway-Ansatz
Ein Gestaltungsprinzip: Entwirf zuerst den gewünschten Fluss, dann schneide Teams und Verbindungen so, dass genau er entsteht. Dazu der Begriff der kognitiven Team-Last. Herkunft: Matthew Skelton und Manuel Pais (2019).
Quelle: https://teamtopologies.com
Mirroring-Hypothese
Die empirische Bestätigung von Conways Gesetz: Die Architektur eines Produkts spiegelt die Struktur der bauenden Organisation. Herkunft: MacCormack, Baldwin, Rusnak (Harvard Business School).
Quelle: https://www.hbs.edu/faculty/Pages/item.aspx?num=41476
Agile Praxis
Agile-Theater
Man führt agile Rituale ein (Standups, Sprints, Retros), lässt aber Anreize, Budgets und Strukturen unverändert. Ergebnis: Betrieb wie vorher, nur mit mehr Meetings. Herkunft: verwandt mit „Flaccid Scrum“ von Martin Fowler.
Quelle: https://martinfowler.com/bliki/FlaccidScrum.html
Cargo-Kult-Agile
Man kopiert die Praktiken einer anderen Firma (Spotify, ING), ohne deren Kontext, und erwartet dasselbe Ergebnis. Herkunft: verbreiteter Praktiker-Begriff, abgeleitet vom Cargo-Kult.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult
Wertstromfinanzierung / Beyond Budgeting
Statt fixer Jahresbudgets pro Projekt wird der Wertstrom finanziert, damit agiles Arbeiten nicht am Budgetzyklus erstickt. Herkunft: Beyond Budgeting Round Table; Bjarte Bogsnes.
Quelle: https://bbrt.org
Wagile / Water-Scrum-Fall
Ein Mischzustand, in dem agile Rituale auf klassischer Projektsteuerung mit fixem Umfang, Budget und Termin sitzen. Meist ein Symptom halber Transformation. Herkunft: Praktiker-Begriffe, u.a. von Dave West geprägt („Water-Scrum-Fall“).
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserfallmodell
